Rainer Olzem - arge-geologie.de

Ätna 2008: Vom Monte Zoccolaro ins Valle del Bove

Das Valle del Bove ist ein weiträumiges Hochtal am Südosthang des Ätna. Sein Talboden liegt im westlichen Teil auf etwa 1.700 m ü. NN und fällt nach Osten hin bis auf etwa 1.400 m ü. NN ab. Der Durchmesser des Tals beträgt in Nord-Süd-Richtung rund 5,5 km und in Ost-West-Richtung etwa 7 km.

Das Valle del Bove ist eine komplexe vulkanische Caldera, die vermutlich das Resultat mehrerer großer Zusammenstürze und explosiver Ausbrüche im Zeitraum von mehreren 1.000 Jahren ist. Im Laufe der Zeit hat der Ätna seine vulkanische Aktivität sukzessive von Osten nach Westen verlagert, wobei sich das Einbruchsgebiet immer weiter nach Westen ausgedehnt hat. An der heutigen Morphologie der Caldera war aber auch die Erosion mit Hangrutschungen, Lahar-Bildungen und rezenten Lavaflüssen beteiligt.

Blick vom Monte Zoccolaro in das wolkenverhangene Valle del Bove
Das Gipfelkreuz des Monte Zoccolaro in den Wolken
Von der Serra del Salifizio ...

Die Caldera ist nach Osten zum kleineren Val Calanna hin offen. Im Westen steigen die Talflanken steil gegen den Gipfelbereich des Ätna bis auf 3.300 m an. Im Süden wird die Caldera vom Monte Zoccolaro (1.739 m ü. NN) und der Serra del Salifizio begrenzt, ein Ost-West verlaufender Grat mit einer mittleren Höhe von ca. 1.700 m ü. NN. Hier sind die Talhänge meist als mehr oder weniger senkrechte Wände ausgebildet.

Begehbar ist das Valle del Bove über den Canalone del Montagnola, eine breite Erosionsrinne, durch die man 600 Höhenmeter durch lose Aschen ins Tal hinab gleiten kann. Ein weiterer Zugang ist von der Serra del Salifizio möglich. Dort kann man, ebenfalls durch vulkanische Aschen, in einem kleinen Wäldchen über gut 100 Höhenmeter den Talboden relativ bequem erreichen.

... eröffnen sich immer wieder ...
... grandiose Ausblicke ins Valle del Bove
Ein riesiger herausgewitterter Dyke mit horizontal liegenden Basaltsäulen

Von der Straße Ätna-Süd - Zafferana zweigt eine kleine kurvenreiche Straße zum Monte Zoccolaro ab, windet sich durch die Contrada Cassone bis auf 1.472 m ü. NN und mündet in einem Parkplatz, von dem man einen guten Blick in das Valle del Bove hat. Hier beginnt der sehr steile Aufstieg zum Monte Zoccolaro: 270 Höhenmeter auf gut 2 km Wegstrecke. Der großartige Blick vom Gipfelkreuz ins Tal entschädigt jedoch für alle Mühen des Aufstiegs - auch bei wolkenverhangenem Himmel.

Der weiterführende Pfad vom Monte Zoccolaro über die Serra del Salifizio ist schlecht und zum Teil nicht markiert, wird selten begangen und ist deshalb schwer auszumachen. Besonders bei Nebel ist von dieser Wanderung abzuraten, denn die Gefahr des Verlaufens ist groß. Als auf dem Rückweg tief hängende Wolken aufzogen, hatten auch wir die Orientierung mehrfach verloren.

Auf halber Strecke führt der Saumpfad an einem imposanten herausgewitterten Dyke vorbei, in dessen oberen Teil sich horizontal liegende Basaltsäulen ausgebildet haben.

Vom kleinen Parkplatz (gelber Pfeil 18, rechts oben) führt der Weg über den Sentiero Natura auf den Monte Zoccolaro und weiter (auf einem nicht eingezeichneten Pfad) über die Serra del Salifizio und durch das Vallone Acqua Rocca degli Zappini ins Valle del Bove. Links oben der Canalone della Montagnola (Ausschnitt aus der Carta Turistica 1:50.000 Parco dell' Etna des Touring Club Italiano).

Der Abstieg ins Valle del Bove auf loser Asche durch das kleine Wäldchen klappte problemlos. Und dann standen wir auf dem Talboden der riesigen Caldera und waren beeindruckt von der Weite des Tals, den bizarren Formen der Lava, den vorbei ziehenden Wolken und der lautstarken Aktivität des Vulkans.

Bereits auf der Serra hatten wir hin und wieder ein lautes Grollen vernommen, das wir zunächst als Gewitter deuteten. Doch mit der Zeit wurde uns klar, dass es sich um heftige Eruptionen aus dem Bereich zwischen Südost- und Nordostkrater in etwa 2.600 bis 2.900 m ü. NN handelte. Dieser kräftige so genannte vulkanische Rumor hielt auch die nächsten Tage in voller Stärke an.

Der Abstieg ins Valle del Bove verläuft durch das Wäldchen links im Bild
Langsam lichten sich die Wolken ...
... während der heftige Rumor aus den neuen Bocchen ...
... am Fuß des Südost-Kraters anhält
Panoramablick von der Montagnola in das Valle del Bove. Die schwarze Lava entstammt dem Flankenausbruch 1991 - 1993. Rechts die Serra del Salificio mit dem Monte Zoccolaro (Bildmitte, hinten), rechts anschließend die Schiena dell' Asino. Im Vordergrund rechts der Canalone della Montagnola. (Foto: Boris Behnke. boris.vulcanoetna.it)

Nach oben