Rainer Olzem - arge-geologie.de

Ausbrüche des Stromboli von 2002 bis 2004

von Rainer

Aschewolken über San Vincenzo am 30.12.2002 [1]

Am 23. Januar 2002 gab es im Gipfelbereich eine größere Explosion, die in allen Siedlungen der Insel gehört wurde. Auf die Ortschaften fiel minutenlang ein leichter Aschenregen. Danach nahm die Aktivität des Vulkans zunächst wieder ab. Im Sommer des Jahres hatte die Tätigkeit der Fossa jedoch wieder zugenommen und am 24. Juli gab es wiederum eine überall hörbare Explosion, die von einer etwa 500 m hohen, braunen, pilzförmigen Aschenwolke begleitet wurde.

Im März 2003 gab es fortwährende kleinere Lavaströme und Felsstürze auf der Sciara. Am Morgen des 5. April ereignete sich dann eine größere Eruption, die in Stromboli-Ort deutlich zu hören war. Über der Fossa stieg eine große Pilzwolke auf, die Inselbewohner konnten das Einschlagen größerer Blöcke hören. In Ginostra gingen einige Blöcke nieder. Es gab zwar keine Verletzten, jedoch wurden zwei Häuser von metergroßen Bomben getroffen und beschädigt. Auf der Seite von Stromboli-Ort gingen ebenfalls Bomben nieder, die den Ort allerdings nicht erreichten. Einige Wissenschaftler des Geologischen Instituts in Catania beobachteten die starken Eruptionen vom Hubschrauber aus:

Der aktive Nordostkrater am 8. Dezember 2003 [1]

Eine dünne Gaswolke, durch den starken Wind nach Westen getrieben, stieg aus den Gipfelkratern. Einige Minuten später mischten sich plötzlich rote Asche-Emissionen in die Gaswolke. Die rötliche Asche wurde rasch ersetzt durch dunkleres, juveniles Material, das aus dem Nordost-Krater schoss und einen heißen, blumenkohlförmigen Jet bildete, der schnell über dem Krater emporwuchs. Zwei oder drei Sekunden später förderte auch der Südwest-Krater einen Jet aus juvenilem Material. Der eruptive Prozess entwickelte sich nun sehr schnell, die beiden Jets vereinigten sich zu einem einzigen.

Es fand eine sehr starke Explosion statt, die unseren Helikopter von den Kratern wegdrückte und dessen Geschwindigkeit plötzlich um 60 Knoten erhöhte. Eine pilzförmige, dunkle Wolke stieg von den Kratern auf bis zu einer Höhe von ca. 2 km über Meereshöhe. [...] Bomben, Asche und Blöcke fielen vor allem auf die Nordostflanke des Vulkans, oberhalb 400 m Seehöhe und entzündeten etliche Buschfeuer. [...]

In der Zwischenzeit schossen abwechslungsweise einige schwarze und rötliche Materialjets vornehmlich aus dem Südwest-Krater. Mehrere hellbraune Trümmerwolken breiteten sich von der Nordwest-Flanke des Nordost-Kraters über den mittleren Teil der Sciara del Fuoco hin aus. Der obere Teil des Vulkans, von 700 m an aufwärts, war nun komplett mit einem Teppich von frischen Pyroklastika bedeckt. An der Nordflanke des Pizzo Sopra la Fossa bis zur Süd-Basis des Nordost-Kraters zeigten sich neue, nordwärts gerichtete Spalten, die unter Umständen zu Bergrutschen im Bereich des Gipfels führen können.

Innerhalb weniger Minuten seit dem Beginn des Paroxysmus kamen aktive Lavaströme unter dem Trümmerteppich zum Vorschein und flossen über das Lavafeld. Die Eruption förderte große Mengen von Bimsstein, vermischt mit hellbrauner Schlacke.

Ein Überwachungsflug am 8. April zeigte vier aktive Schlote, die Lava im oberen Teil der Sciara förderten. Zwei der Ströme breiteten sich im mittleren Teil der Sciara aus und bewirkten Steinschlag, der zum Teil das Meer erreichte. Auch innerhalb der Fossa hinterließ der Paroxysmus vom 5. April einen dicken Teppich von Pyroklastika. Die Tiefe der Krater wurde auf etwa 50 m reduziert und die Schlotöffnungen zum Teil verstopft.

Der Lavastrom auf der Sciara stoppte am 22. Juli 2003. Die strombolische Tätigkeit am Nordost-Krater förderte weiterhin des öfteren Lavafetzen, während am Südwestkrater nur Aschenaustritte beobachtet wurden.

Flucht vor dem Tsunami auf Stromboli 2002. Foto: Philippe Guillemin

Weihnachten 2003 kam es dann urplötzlich zu einer äußerst heftigen Eruption. Schaden entstand allerdings erst, als in Folge der Erschütterung eine Flanke des Vulkans abbrach und ins Meer stürzte. Die folgende Flutwelle richtete auf Stromboli selbst und auf einigen Nachbarinseln Schaden an. Daraufhin wurden die Bewohner Strombolis auf die Nachbarinsel Lipari evakuiert, wo sie für mehrere Wochen in Hotels untergebracht wurden. Touristenschiffe fuhren Stromboli nicht mehr an.

Erst als sich der Vulkan einigermaßen beruhigt hatte, kamen nicht nur die Einheimischen, sondern auch die Touristen zurück. Trotzdem ist ein Besteigen des Gipfels zurzeit streng verboten (Stand September 2004). Touristen ohne offizielle Führer dürfen lediglich auf eine Höhe von 290 m, geführte Touristen bis 400 m aufsteigen.

Referenz:

[1] Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Tom Pfeiffer

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