Rainer Olzem - arge-geologie.de

Novopangäa - die Erde in 250 Millionen Jahren

Die driftenden Kontinente der Erde sind auf Kollisionskurs. In 250 Millionen Jahren werden alle Landmassen zu einem einzigen gigantischen Superkontinent verschmelzen. Er hat bereits einen Namen (besser gesagt, drei: Pangäa Proxima, Novopangäa und Amasia), obwohl aller Wahrscheinlichkeit nach kein menschliches Auge ihn je sehen wird.

Jener Superkontinent wird weder der erste noch wohl der letzte sein, der sich auf der Erde bildet. Die Kontinente, die wir heute kennen – Afrika, Nord- und Südamerika, Asien, Australien, Europa und die Antarktis -, sind Fragmente des letzten Superkontinents Pangäa, der Dinosaurier hervorbrachte und über dessen Auseinanderbrechen man erst seit einem Jahrhundert, seit 1912, genauere Kenntnisse besitzt.

750 Millionen Jahre vor der Entstehung Pangäas aber brach schon einmal ein Superkontinent auseinander, und davor ein anderer, und immer so weiter, bis tief in die unerforschte Vergangenheit. Die Landmassen der Erde sind in eine imposante Quadrille eingespannt, den Superkontinentzyklus, wie ihn die Geologen nennen, den gewaltigsten Kreislauf der Natur.

(Ted Nield: Superkontinent, Kunstmann, München, 2008)

Die Bildung des nächsten Superkontinents hat bereits begonnen

Auf unserer Erde ist die Bildung des nächsten Superkontinents bereits im Gange. Die Kollision Indiens mit Asien, die den Himalaya entstehen und weiter wächsen lässt, und der Zusammenstoß von Afrika und Europa, der in den nächsten etwa 50 Ma das Mittelmeer verschwinden lässt, sind die markanten Phänomene. Im Zeitraum der nächsten 250 Ma wird es noch viele weitere Kollisionen geben, bis der Zeitpunkt erreicht ist, an dem der neue Superkontinent seine „maximale Packung“ erfährt, wie die Geologen sagen.

Die Lage der Kontinente vom Proterozoikum bis in die Zukunft in 250 Millionen Jahren

Plate tectonic maps and Continental drift animations by C. R. Scotese, PALEOMAP Projekt (www.scotese.com)

Neo-Proterozoikum 650 Ma
Unter-Kambrium 514 Ma
Mittel-Ordovizium 458 Ma
Mittel-Silur 425 Ma
Mittel-Devon 390 Ma
Unter-Karbon 356 Ma
Ober-Karbon 306 Ma
Ober-Perm 255 Ma
Mittlere Trias 237 Ma
Unter-Jura 195 Ma
Ober-Jura 152 Ma
Ober-Kreide 94 Ma
Kreide/Tertiär-Grenze 66 Ma
Unter-Eozän 50,2 Ma
Heute 2012 nach Christus
Zukünftige Welt in 50 Ma
Zukünftige Welt in 150 Ma
Zukünftige Welt in 250 Ma

Novopangäa, Amasia oder Pangäa Proxima: Wie sieht die Erde in 250 Millionen Jahren aus?

Unterschiedliche Theorien über die zukünftige Lage der Kontinentalplatten

Wie viele Superkontinente gab es vor Pangäa?

Der Wilson-Zyklus

Der kanadische Geophysiker und Geologe John Tuzo Wilson (1908 - 1993) stellte im Jahre 1970 eine Theorie vor, die die Bewegung der großen Kontinentalplatten als plattentektonischen Großzyklus beschreibt, der sich alle 200 bis 250 Ma wiederholt und zur Bildung von Superkontinenten führt.

1. Ruhestadium
2. Graben- oder Riftstadium
3. Ozeanisches Jungstadium (Rotes Meer-Stadium)
4. Ozeanisches Reifestadium (Atlantik-Stadium)
5. Ozeanisches Schrumpfungsstadium (Pazifik-Stadium)
6. Ozeanisches Endstadium (Mittelmeer-Stadium)
7. Kollisionsstadium (Himalaya-Stadium)
8. Ruhestadium

Die Theorie der Plattentektonik beschreibt die Ursachen und den Verlauf von großtektonischen Prozessen auf der Erde. Wilson stellte diese tektonischen Prozesse als einen Kreislauf dar, der zur Bildung von Ozeanen und zu deren Zusammenschieben führt. Ein gesamter Zyklus besteht aus 8 Hauptphasen, er dauert etwa 200-250 Ma.

Die einzelnen Phasen sind nach typischen Beispielen auf der Erde benannt.

1. Ruhestadium: Am Anfang der Entwicklung steht eine ruhende Kontinentalplatte.

2. Graben- oder Riftstadium: Durch divergierende Magmaströme im Erdmantel (Upwellings) kommt es zu einer Aufwölbung der Kruste und schließlich zu einem Grabenbruch, in den Magmen eindringen. Beispiel: Ostafrikanischer Grabenbruch.

3. Ozeanisches Jungstadium (Rotes Meer-Stadium): Durch den Magmenaufstieg kommt es zu einer Aufweitung des Grabens und es entsteht eine basaltische Kruste zwischen den auseinander driftenden Kontinentalplatten. Durch Absenkung des Grabenbereichs dringt Meerwasser ein und ein Urozean entsteht. Beispiel: Rotes Meer.

4. Ozeanisches Reifestadium (Atlantik-Stadium): Durch die Bildung weiteren Ozeanbodens am neu entstandenen mittelozeanischen Rücken (Seafloor Spreading) weitet sich das Meer zum Ozean. Beispiel: Atlantik mit der mittelatlantischen Schwelle.

5. Ozeanisches Schrumpfungs-Stadium (Pazifik-Stadium): Die neu gebildete ozeanische Kruste taucht unter die kontinentale Platte. Es bilden sich ein Tiefseegraben und küstenparallele Vulkanketten. Beispiel: Pazifischer Ozean mit seinen Tiefseegräben und Vulkanketten (Feuerringe).

6. Ozeanisches Endstadium (Mittelmeer-Stadium): Die Kontinentalplatten bewegen sich aufeinander zu, der Ozean wird eingeengt und schließlich zu einem flachen Meeresbecken.

7. Kollisionsstadium (Himalaya-Stadium): Die Kontinentalplatten schließen das Ozeanbecken und kollidieren miteinander. Dabei kommt es zur Überschiebung und zur Aufschiebung von Gebirgsketten (Beispiel: Himalaya mit seinen rezenten Hebungen).

8. Ruhestadium: Die Plattenbewegung kommt zur Ruhe, die Gebirgsketten fallen der Verwitterung anheim. So entsteht wieder ein einheitlicher Kontinent und ein neuer Wilson-Zyklus kann beginnen. Beispiel: Eurasische Kontinentalplatte mit dem Ural als ehemalige Plattengrenze.

Wie sieht der nächste Superkontinent aus?

Die folgende Geschichte lehnt sich stark an eine Science-Fiction-Geschichte von Ted Nield aus seinem Buch Superkontinent an (siehe Literatur). Sie erzählt von der Entdeckung der Erde in einer Zeit, die 250 Millionen Jahre in der Zukunft liegt.


Die Entdeckung des Planeten Erde in 250 Millionen Jahren - Eine Science-Fiction-Geschichte

Es ist der dritte Trabant eines kleinen relativ unscheinbaren Sterns

Sie haben schon viele fremde Himmelskörper gesehen, seit sie vor langer Zeit von ihrem Heimatplaneten aufgebrochen sind, um sich auf die Suche nach Lebenszeichen im Kosmos zu machen. Unter ihnen schwebt ein blauer Planet im All. Es ist der dritte Trabant eines relativ kleinen unscheinbaren Sterns. Das Wasserstoffoxid, das anscheinend den ganzen Planeten bedeckt, ist in dieser Galaxis keine Seltenheit. Hier jedoch ist es flüssig und in Spuren auch als Gas in der Atmosphäre vorhanden. In flüssiger Form kann Wasserstoffoxid nur in einem engen Temperaturbereich existieren. In ihrem Raumschiff wenden sie viel Energie auf, um die Wärme im Inneren des Schiffs aufrecht zu erhalten. Hier aber scheinen diese ausgeglichenen Bedingungen auf dem ganzen Planeten zu herrschen. Auch der ungewöhnlich hohe Sauerstoffgehalt in der Troposphäre weckt ihr Interesse.

Wolkenwirbel und spiralförmige Wettersysteme wandern langsam über die Hemisphäre

Über den leuchtend blauen Ozean ziehen weiße Streifen, Wolkenwirbel und spiralförmige Wettersysteme wandern langsam über die Hemisphäre. Der faszinierende Anblick der Wolken hat ihre Aufmerksamkeit so sehr in Anspruch genommen, dass sie es zunächst nicht bemerkten, aber nun sehen sie, dass dieser Planet doch nicht vollständig von Wasser bedeckt ist. Dort unten breitet sich eine wahrhaft riesige zusammenhängende Landmasse aus.

Das Festland liegt zum größten Teil in der nördlichen Hemisphäre und bedeckt vielleicht ein Drittel der Oberfläche des Planeten. Das Land ist trocken und besteht fast ganz aus riesigen weißen und hellgelben Wüsten. Drei Gebirgszüge, nicht besonders hoch, öde und vom Zahn der Zeit angenagt, ragen aus dem Meer der Dünen und der endlosen weißen Ebenen. Trockene gewundene Schluchten münden in aride Wüstenlandschaften und laufen in großen weißen Ebenen aus, vor denen sich ausgedehnte Flugsandflächen bis weit hinter die schimmernden Luftspiegelungen des Horizonts erstrecken.

Aride Wüstenlandschaften bis weit ...
... hinter die Luftspiegelungen des Horizonts

Von dieser abschreckend kahlen Wüstenlandschaft hebt sich spektakulär die etwa 15.000 km lange Südostküste des Kontinents ab, die auf ihrer ganzen Länge von einem Kettengebirge mit schroffen bis zu 10.000 m hohen Gipfeln gesäumt wird. Dort, wo die Berge bis in die kalte obere Atmosphäre ragen, tragen sie weiße Kappen. Dieses Gebirge ist jung, aktiv und noch im Wachstum begriffen.

Auch tätige Vulkane gibt es dort unten
Was die Raumfahrer am meisten interessiert, ist das schillernde Farbenspiel an den Küsten des Kontinents

Auch tätige Vulkane gibt es dort unten. Die Oberfläche dieses Planeten ist in Bewegung, sie ist geologisch aktiv. Der Planet lebt in seinem Inneren, befeuert durch die Hitze ständigen radioaktiven Zerfalls, die seine Kruste brodeln lässt. Als der größte Gesteinsplanet in diesem Sonnensystem ist er auch nach 5 Milliarden Jahren noch nicht - wie die übrigen Planeten dieses Sonnensystems - erkaltet und erstarrt.

Was die Raumfahrer am meisten fasziniert, ist das schillernde Farbenspiel an den Küsten des Superkontinents. In ihrem Inneren ist die riesige Landmasse völlig ausgedörrt, eine Wildnis ohne Wolken und ohne Niederschlag. Wo die Trockengebiete den Ozean erreichen, trennt sie eine hoch aufragende Gebirgskette von der Südostküste. Die landeinwärts ziehenden Wettersysteme haben keine Chance, diese Felsbarriere zu überwinden.

An der gegenüber liegenden Nordwestküste sieht alles ganz anders aus. Hier, wo die vorherrschenden Westwinde ungehindert auf das Land treffen, beschatten dichte Wolkenstreifen den Kontinent über Tausende von Kilometern. Darunter und an den Rändern der Wolkendecke kommt hier und da ein dunkelgrüner Fleck zum Vorschein. Weitere schmale grüne Flächen schimmern mitunter am Rand des riesigen Kontinents durch die Küstenwolken. Jetzt verstehen sie: Es ist der hohe Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre. In dem riesigen Ozean und in den Küstenregionen, wo die Feuchtigkeit in Form von Regen niedergeht, muss es vor pflanzlichem und tierischem Leben nur so wimmeln.

Kommt hier und da ein dunkelgrüner Fleck zum Vorschein
Da unten muss es vor Leben nur so wimmeln

Von ihrer Position im Orbit versuchen sie, so viel wie möglich über diesen wundersamen Ort in Erfahrung zu bringen. Ob es dort unten unter den Lebensformen auch mit Intelligenz ausgestattete Wesen gibt? Aber sie kennen die Antwort bereits. Intelligente Lebewesen entwickeln im - archäologischen - Handumdrehen Kulturen, bauen Städte, nutzen die Energie der Materie. Aber nirgends kreist ein Satellit, sie empfangen keinerlei Funksignale. Dieser Planet hängt wie ein großes blindes Auge im Weltall. Dort unten gibt es keine Zivilisation.

Doch sie suchen weiter, sie füttern ihre Computer mit Scans, damit sie die Wolken herausrechnen, die den Blick verstellen. Doch sie wissen bereits, dass es aussichtslos ist. Das vom Planeten reflektierte Licht sagt ihnen, dass es dort unten wahrscheinlich noch nie intelligentes Leben gegeben hat. Intelligente Lebewesen dringen rasch in die Geheimnisse der Materie ein und machen sich die Kernkraft zunutze. Bei diesem Prozess entstehen Materieformen, wie sie nirgends in der Natur vorkommen und die erst nach langer Zeit wieder zerfallen. Diese Substanzen überdauern selbst auf einem aktiven Planeten wie diesem, trotz der Wetterphänomene, der Erosion, der Ablagerungen und der brodelnden Kruste, die sich beständig erneuert und verjüngt.

Von Einschlagskratern überzogene trockene Weltraumbrocken

Sie suchen die trockenen Flächen des Kontinents nach radioaktiven Isotopen ab, doch die Isotopen, die sie finden, kommen auch alle natürlich vor. Wenn es je eine fortgeschrittene Zivilisation auf diesem Planeten gegeben hat, so muss sie vor mehr als 100.000 Jahren untergegangen sein. Doch ihr Archäologe will noch nicht aufgeben, physische Spuren einer Zivilisation können auch mehr als 100.000 Jahre überdauert haben. Doch sie finden nichts. Nun ist der Geologe gefragt, doch vom Raumschiff aus kann man nicht nach Fossilien suchen.

Nach langer vergeblicher Suche wenden sich die Raumfahrer dem Mond des Planeten zu. Sie haben schon viele Himmelskörper wie diesen gesehen, langweilige, von Einschlagskratern überzogene, trockene tote Weltraumbrocken, die ihre inaktive Oberfläche ungeschützt dem Weltall darbieten, seit ihrer Entstehung unter schwerem Meteoritenbeschuss.

Da steht das Landefahrzeug vor ihnen, aber das Aufregendste ...
... daran sind die Fußspuren ringsherum

Doch plötzlich stockt ihnen der Atem. Ihre Geräte melden von der Mondoberfläche deutliche und eindeutige Anzeichen einer fortgeschrittenen Zivilisation. An sechs verschiedenen Stellen identifizieren sie die Überreste von Landefähren, Transportfahrzeugen, Funkgeräten und seismischen Messstationen. Sie wissen nun, dass es auch andere Raumfahrer gegeben hat, mehr noch, dass sie genau hier gewesen sind.

Doch die archäologische Untersuchung der Gegenstände auf dem Mond ergibt, dass es nicht gerade eine heiße Spur ist. Sie landen in einiger Entfernung, nähern sich vorsichtig und inspizieren eines der fremden Raumfahrzeuge. Da steht es vor ihnen, aber das Aufregendste daran sind die Fußspuren ringsherum. Sie sehen so frisch aus, als stammten sie vom Vortag.

Ihre Archäologen entnehmen Proben von den spinnenähnlichen Landefähren, von denen einst ein Startmodul in den Weltraum abgehoben hat. Die sechs Besuche auf dem Mond wurden unverkennbar alle von den gleichen Lebewesen abgestattet und alle ungefähr zur gleichen Zeit. Doch wann war das, wo kamen diese Wesen her und wo leben sie heute? Wie sah diese Lebensform aus?

Sie würden die Welt dort unten nicht einmal mehr als die ihre erkennen

Die mikroskopische Untersuchung der Metalloberflächen zeigt Milliarden winzigster Einschläge von Mikrometeoriten. Daraus schließen sie, dass die letzten Besucher, wer auch immer sie gewesen sein mögen, vor mehr als 200 Millionen Jahren von hier abgeflogen sein müssen. Doch da stellt sich ihnen sogleich die Frage, warum die Mondfahrer auf diesem Mond und nicht auf seinem so viel interessanteren Planeten gelandet sind.

Aber vielleicht sind diese Wesen ja von eben diesem Planeten gekommen, auch wenn es dort von ihnen keinerlei Spuren gibt. Selbst wenn diese Wesen einst den gesamten Planeten mit Städten überzogen hätten, wäre nach 250 Millionen Jahren nicht einmal mehr eine schwache Spur von ihnen zu erkennen. Würden die untergegangenen Wesen heute zurückkehren, sie würden die Welt dort unten nicht einmal mehr als die ihre erkennen.

Obwohl die Krustenplatten alle in den großen Superkontinent eingebunden sind, lässt die Geschwindigkeit, mit der sie sich bewegen, den sicheren Schluss zu, dass der Planet vor 250 Millionen Jahren völlig anders ausgesehen haben muss. Möglicherweise gab es damals viele kleinere voneinander getrennte Kontinente, die wie Inseln im Ozean verstreut waren.

Wer weiß, was die Raumfahrer finden würden, wenn sie landen und diesen Planeten betreten würden? Vielleicht stünde ihnen dann die größte Überraschung noch bevor. Vielleicht würden ihnen die Fossilien eines kleinen zweibeinigen Wesens sehr vertraut vorkommen – so wie schon die Fußabdrücke auf dem Mond.

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