| Rainer Olzem Diplom-Geologe |
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Mittwoch, 01. September 2004Wanderung auf Goethes Spuren zu den Monti de Fiorevon Rainer Verschlafene Bande. Ob es nun die Eindrücke auf der Kraterterrasse oder die ungewohnte Höhenluft vom Vortag sind oder auch das nächtliche Gekläffe unserer Hundefamilie, wir kriegen uns nicht so richtig wach. Dann müssen wir noch Klamotten waschen, Frühstücken, die Rucksäcke packen und und und... Erst um 12:15 Uhr kommen wir von der Hütte weg. Heute steht eine Wanderung an der Südwestflanke des Ätna in Höhen zwischen 1.550 und 1.925 m an. Im Textbeiheft zur Touristischen Wanderkarte des Parco dell Etna vom Touring Club Italiano - übrigens die mit Abstand beste frei käufliche topografische Karte des Ätna - wird ein Teil unserer heutigen Wanderung als "Versante Ovest Monte Gallo - Rifugio della Galvarina" beschrieben. Dort wird behauptet, Johann Wolfgang von Goethe wäre diese Route während seiner Italienischen Reise im Jahre 1787 gegangen, oder hätte dafür Interesse gezeigt. Wir haben in Goethes Texten nachgeblättert, aber nichts dergleichen gefunden. Auf die Monti Rossi bei Nicolosi ist er zweifelsfrei gestiegen, aber von höheren Regionen des Ätna wurde ihm abgeraten. Es war damals Mai und auf den Höhen lag Schnee. Egal, ob Goethe hier war oder nicht, bei uns heißt die Wanderung "Auf Goethes Spuren". Wir fahren die alte Ätnastraße in Richtung Adrano und biegen auf etwa halber Strecke nach rechts ab. Hier zeigt ein Schild den Weg zum Monte Intraleo. Nach etwa 6 km endet die kurvenreiche Straße, von der wir im oberen Teil einen schönen Ausblick in das Tal des Simeto haben, in einem großen Parkplatz am Fuß des Monte Gallo. Hier übt die lokale Feuerwehr anscheinend das Löschen eines Waldbrandes mit Feuerwehrauto, Schlauch und Gummi- Planschbecken. Es schaut lustig aus. Wir lassen unser Auto stehen und beginnen den Rundweg, vorbei an Monte Forno und Monte Albano, beide knapp 1.700 m hoch, in Richtung Rifugio della Galvarina. Der kontinuierlich und leicht ansteigende Weg führt durch einen mit Ätna-Kiefern bestandenen Hochwald. Es riecht würzig nach Baumharz. Auf 1.750 m Höhe öffnet sich rechter Hand ein weites offenes Lavafeld. Die Lava stammt aus dem Jahre 1607 und ist so gut wie nicht bewachsen. Soll noch einer sagen, dass Vulkane durch ihre Lava fruchtbare Böden schaffen. Es mag ja stimmen, aber es dauert viele viele Generationen, bis die Bodenbildung so weit fortgeschritten ist, dass Nutzpflanzen angebaut werden können. Auf vulkanischer Asche und auf ehemaligen Schlammströmen ist das etwas anderes, hier beginnt die Bodenbildung schon früh durch Pionierpflanzen. Unter leichtem und gleichmäßigem Anstieg nähern wir uns dem Rifugio della Galvarina auf 1.878 m Meereshöhe. Mittlerweile hat sich der Himmel verdüstert und dunkle Wolken drohen mit Regen. In der Ferne grollt Donner. Als wir nach kurzer Rast weiter marschieren, setzt leichter Regen ein und das Donnern kommt näher und wird heftiger. Als Jan dann von Wanderern berichtet, die der Blitz erschlagen hat, beeilen wir uns, im nah gelegenen Rifugio di Monte Palestra Zuflucht zu suchen. Hier warten wir Regen und Gewitter ab und diskutieren die Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz getroffen zu werden. Nach kurzer Zeit kommt die Sonne wieder zum Vorschein. Weiter geht's durch eine liebliche Landschaft auf schmalen gewundenen Pfaden durch niedrigen Bewuchs. Der Pfad zweigt direkt gegenüber dem Rifugio ab und ist zu Beginn schwer auszumachen. Wir erreichen die Krater der alten Vulkane Monte Fornello und Monte Capre, beide um 1.900 m hoch. Während der Kraterboden des Monte Fornello nicht bewachsen ist, trägt der des Monte Capre einen lichten Kiefernwald. Von hier steigen wir durch die Aschen ab auf schmalen Pfaden hinunter zum Fuß des Monte Rosso. Wir lassen den Monte Rosso rechts liegen und wandern weiter abwärts zu den Monti de Fiore. Die Monti de Fiore sind die Ausbruchstellen der Eruption von 1974. Bis auf eine Meereshöhe von 1.731 m hat sich hier die schwarze und stellenweise rote Lava aufgehäuft. Als wir den Vulkan besteigen, erkennen wir, dass es sich um einen Spaltenausbruch mit mehreren Austrittsstellen handelt. In einer ersten Phase bildete sich der 100 m hohe Schlackenkegel des Monte de Fiore I. Hoch viskose Lava bildete in langsamem Abfluss einen nur 1.300 m langen Lavastrom. In einer zweiten Phase entstand etwas unterhalb dieses Kegels der kleinere Monte de Fiore II, an dessen Fuß drei kleinere Lavaströme ausgetreten sind. Gleichzeitig mit diesem Flankenausbruch wurde im Gipfelbereich des Ätna der seit 1971 blockierte Schlot des Nordost-Kraters frei gesprengt, der damit seine Dauertätigkeit wieder aufnahm. Auf den Schlacken und Aschen von 1669 um Nicolosi, und nicht nur hier, gedeiht der feurige Ätna-Rotwein, den man - zumindest bei einer Gipfelbesteigung - mit sich führen sollte. Es empfiehlt sich überhaupt, diesen sehr preiswerten, tief rubinroten, vollmundigen Wein offen, aus Fässern direkt beim Erzeuger, beim Weinhändler oder in einer Gastwirtschaft in den Ortschaften höher am Berg zu erstehen. Leere Flaschen sollte man bei sich haben. [1] Referenzen:[1] H. Pichler. Italienische Vulkangebiete Teil IV: Ätna, Sizilien. Sammlung geologischer Führer, 1984, S. 198 |
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