Rainer Olzem - arge-geologie.de

Die Cumbre Vieja

Abb. 1: Blick von der Cumbre Vieja nach Norden auf die wolkenverhangene Wand der Caldera de Taburiente im Hintergrund
Abb. 2: Karte der Cumbre Vieja mit Eruptionszentren (Carracedo et al., 2001)

Die zweite große vulkanische Einheit auf La Palma nach dem Taburiente-Komplex ist die Vulkankette der Cumbre Vieja, die den gesamten Süden der Insel einnimmt (Abb. 1). Die Cumbre Vieja ist – entgegen der Namensgebung - geologisch jünger als die nördlich anschließende Cumbre Nueva (siehe auch: Die Caldera de Taburiente). In den letzten 150.000 Jahren hat die geologische Aktivität ausschließlich auf der Cumbre Vieja stattgefunden und dort eine etwa 20 km lange und bis zu 1.950 m hohe Nord-Süd gerichtete Vulkankette geformt, deren Alter im Großen und Ganzen von Norden nach Süden hin sukzessive abnimmt (Abb: 2).

Abb. 3: Ausschnitt aus der Geologischen Karte von La Palma: Die Cumbre Vieja mit zahlreichen Ausbruchstellen (Ministerio de Medio Ambiente, Madrid 1993)
Abb. 4: Zusammensetzung der Laven (Carracedo et al., 2001)

Der Kamm der Cumbre Vieja besteht aus einer Aneinanderreihung von Vulkankegeln, Eruptionszentren und Spalten, wie sie typisch sind für Riftvulkane (Abb. 3). Die wichtigsten Ausbruchstellen von Norden nach Süden sind (Abb. 6 und 7):

  • > die Montagna Quemada oder Tacande (Eruption 1470-1492),

  • > der Pico Birigoyo (Eruption ca. 4000 v. Chr.),

  • > der Pico Nambroque (Eruption ca. 1000),

  • > der Volcan Llano del Banco oder San Juan (Eruption 1949),

  • > der Volcan Jedey oder Tajuya (Eruption 1585),

  • > der Crater Hoyo Negro (Eruption 1949),

  • > der Crater Duraznero (Eruption 1949),

  • > die Volcanes la Deseada I und II (Eruptionen ca. 5-6000 v. Chr., Deseada I ist mit 1.949 m ü. NN die höchste Erhebung auf der Cumbre Vieja),

  • > der Volcan el Charco (Eruption 1712),

  • > der Volcan Martin (Eruptionen prähistorisch und 1646),

  • > der Volcan San Antonio (Eruptionen ca. 1200 v. Chr. und 1677)

  • > und der Volcan Teneguia (Eruption 1971), mit 427 m ü. NN die tiefste Ausbruchstelle der Cumbre.


Die geförderten Laven sind überwiegend basaltisch, haben jedoch einen geringfügig höheren SiO2-Anteil als die Laven der älteren Vulkane im Norden der Insel (Abb. 4). Die Eruptionen waren überwiegend strombolianischer und phreatomagmatischer (hydromagmatic) Art (Abb. 5).

Abb. 5: Die Eruptionen der Cumbre Vieja in historischer Zeit (nach Carracedo & Day, 2011)

Die meisten Eruptionen der Cumbre Vieja in historischer Zeit hatten offensichtlich eine Reihe von Gemeinsamkeiten:

  • Viele hatten ihr Eruptionszentrum auf dem Kamm des Bergrückens oder auf der Riftachse.
  • Häufiges Muster dieser Eruptionen war ihre Verbindung zu phonolithischen Domen. Die jüngeren Eruptionen lagen in der Regel im unmittelbaren Bereich dieser Dome oder auf deren Top. Die intensive Zerklüftung der Phonolithe begünstigte den Aufstieg des Magmas zur Oberfläche.
  • Die Eruptionen fanden meist an mehreren Ausbruchstellen (Schloten) gleichzeitig oder leicht zeitversetzt statt (multiple eruptive vents). Die Ausbruchstellen sind in der Regel auf einer mehrere km langen Linie aufgereiht, die bisweilen schief zur Riftachse verläuft.
  • Dabei sind die oberen Schlote vorwiegend durch explosive Entgasungen entstanden, während die unteren Schlote effusiv waren und größere Mengen Lava gefördert haben.
Abb. 6: Prähistorische Ausbrüche auf der Cumbre Vieja (Carracedo et al., 2001)
Abb. 7: Historische Ausbrüche auf der Cumbre Vieja (Carracedo et al., 2001)

Die Westflanke der Cumbre Vieja hat, verursacht durch marine Erosion, eine überwiegend steile Küste, die aus Laven, die älter als 20.000 Jahre sind, gebildet wird (Abb. 6). Die Laven der jüngeren Eruptionen (Abb. 7) sind meist nach Westen ins Meer geflossen, haben die Steilküsten überspült und dort breite Plattformen gebildet, die die Küste vor weiterer Erosion durch den Atlantik geschützt haben. Dadurch hat sich die Insel flächenmäßig vergrößert (Abb. 2). Typische Lavafächer sind die Ebenen von La Bombilla und Puerto Naos, El Remo und die Playa Nueva im Süden.

In den folgenden Kapiteln werden die Aktivitäten

- des Volcan de Tacande (Montana Quemada) 1480 - 1492 und des Enrique,

- des Jedey- oder Tajuya-Vulkans 1585,

- des San Antonio in prähistorischer und historischer Zeit,

- des San Juan-Komplexes 1949 und

- des Teneguia 1971 beschrieben.

Im Juni/Juli 2012 folgen weitere Exkursionsberichte über die Geologie und die Aktivitäten der Vulkane Nambroque, El Charco und Martin und über den Vulkantunnel bei Todoque.

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