Rainer Olzem - arge-geologie.de

Der Vulkanausbruch auf La Palma 2021

Schwarmbeben unter der Cumbre Vieja im Februar 2018 (IGN)

Bereits im Oktober 2017 und im Februar 2018 wurden auf La Palma unter der Cumbre Vieja einige hundert kleine Schwarmbeben mit Magnituden zwischen 1,1 und 2,7 auf der Momenten-Magnituden-Skala registriert. Diese Beben waren auf Veränderungen der Spannungsverhältnisse im Gesteinsuntergrund durch Bewegung des Magmas zurückzuführen. Sie wurden in Tiefen zwischen 12 km und 33 km an der Grenze bzw. unterhalb der Grenze zwischen der ozeanischen Kruste und dem oberen Erdmantel registriert, also in einer Tiefe, in der auch der Hotspot zu vermuten ist. Diese Grenzfläche zwischen der Erdkruste und dem Erdmantel wird Mohorovicic-Diskontinuität, kurz MOHO genannt. Im Gegensatz zum Erdbebenschwarm von 2017 lag der Schwarm von 2018 tiefer und setzte eine höhere Energie frei.

Die Schwarmbeben im Oktober 2017 (links) und im Februar 2018 (rechts) mit Tiefenlage in km (Ordinate links), Magnitude (rechts) und freigesetzter Energie pro Schwarm in GJ = Gigajoule (Dr. Jan Olzem). MOHO = Mohorovicic-Diskontinuität

Im Juli 2020 gab es wieder eine verstärkte seismische Aktivität in der Südhälfte von La Palma. Betroffen war das Gebiet der Cumbre Vieja ab der Linie Mazo im Osten und El Paso auf der Westseite. Das Hypozentrum der Erdbeben lag recht tief im Bereich der Magmakammer in rund 30 km Tiefe. Mit maximalen Magnituden von 2,6 waren die Beben nicht zu spüren.

Mitte September 2021 wurde dann ein weiterer Erdbebenschwarm im Süden der Insel registriert. Es gab mehr als 500 leichte Erdstöße, einige der Beben mit Magnituden größer 3,0 wurden von Einwohnern in Mazo, in Fuencaliente und in Tazacorte auch wahrgenommen.

Allen Vulkanausbrüchen auf La Palma in historischer Zeit gingen mehr oder weniger starke Erdbeben voraus. Und so geschah es auch diesmal: Am 19. September 2021 - 50 Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Teneguia im Süden der Insel - brach ein neuer Vulkan auf der Cumbre Vieja im Gebiet des alten Vulkankraters Cabeza de Vaca aus.

Lavazüge wälzen sich die Hänge der Westküste hinab und zerstören alles, was sich ihnen in den Weg stellt (Quelle: https://eaplans.blogspot.com)
Es war der längste Ausbruch in historischer Zeit (la-palma-aktuell_casamartin, Foto: Andreas Klügel)
Der Lavastrom schießt über die Steilküste in den Atlantik, wo er eine etwa 30 Hektar große Landzunge bildet (Consejo Superior de Investigaciones Cientificas - CSIC)

Bis zu 15 m hohe Lavaströme wälzten sich die Hänge der Westküste hinab und zerstörten alles, was sich ihnen in den Weg stellte. Am 27. September hatte ein Lavastrom das Zentrum von Todoque erreicht und dort auch die alte Kirche vernichtet. Die Bewohner der Ortschaft wurden evakuiert. Zwei Tage später hatte der inzwischen 6 km lange Lavastrom den alten Vulkankrater Montana Todoque südlich umflossen und schoss über die Steilküste in den Atlantik, wo eine etwa 30 Hektar große Landzunge entstand. Alle Straßen, die auf der Westseite von El Paso und von Los Llanos in den Süden führen, wurden von der Lava überflossen und waren nicht passierbar. Auch viele Wasser- und Stromleitungen wurden durch die Lava zerstört.

Lage der beiden Magmakammern in 10-15 km und 30-40 km Tiefe (IGN)

Am 07. Oktober erschütterte dann ein heftiges Erdbeben der Magnitude 4,3 die Insel und ein neuer Lavastrom beunruhigte die Anwohner. Das Beben wurde von vielen Palmeros wahrgenommen, sein Hypozentrum lag in 35 km Tiefe.

Da die Erdbebenschwärme in zwei unterschiedlichen Tiefen beobachtet wurden, lokalisierte das Instituto Geografico National aus Madrid (IGN) zwei Magmakammern in 10-15 km und in 30-40 km Tiefe.

Der neue Lavastrom - rund 750 m südlich des bestehenden Stroms - floss die Steilküste hinunter und bewegte sich langsam auf die Küstenlinie zu, wo er den Strand von Los Guirres mit seinem Kiosko bedrohte.

Am 14. Oktober wurden auch die Einwohner der Ortschaft La Laguna evakuiert, insgesamt mussten bereits 7.000 Menschen ihre Häuser verlassen, 1.500 Häuser wurden bisher von der Lava überrollt.

Am 19. Oktober erschütterte um 22:48 Uhr ein weiteres heftiges Erdbeben die Insel mit einer Magnitude von 4,8. Das Hypozentrum lag in einer Tiefe von 39 km. Am nächsten Tag erreichte die Lava das Zentrum von La Laguna und zerstörte die Schule, die Tankstelle und die Apotheke. Mittlerweile hatte die Lava fast 1.000 Hektar Land überflutet und mehr als 2.500 Häuser zerstört.

Zwischen dem 30. Oktober und dem 03. November ereigneten sich die bisher heftigsten Erdbeben mit Magnituden von jeweils 5,0 in Tiefen von 35 bis 38 km. Am 11. November hatte auch ein südlicher Lavastrom an der Playa Nueva den Atlantik erreicht und direkt südlich des Lavazuges, der bereits ins Meer geflossen war, eine neue Lavaplattform im Atlantik gebildet. Und am 22. November erreichte ein weiterer Lavastrom unmittelbar südlich der Montana La Laguna bei Punta del Perdido den Atlantik.

Am 15. Dezember 2021 ließ die Aktivität des Vulkans nach 12 Wochen Dauertätigkeit allmählich nach, der Vulkan spuckte nur noch Gas und Wasserdampf und keine Lava mehr. Auch die SO2-Konzentrationen wurden geringer und der seismische Tremor niedriger.

Mitte Dezember lässt die Aktivität des Vulkans nach 12 Wochen Dauertätigkeit allmählich nach (Quelle: La Palma NEWS - lapalma1.net)

Das offizielle Ende der vulkanischen Aktivität auf La Palma wird mit Montag 13.12.2021 angegeben. Damit war der - bisher noch namenlose - Vulkan 85 Tage aktiv. Es war die längste vulkanische Aktivität auf La Palma in historischer Zeit. Nur die Eruption des Vulkans Jedey (Tajuya) dauerte mit rund 83 Tagen fast ebenso lang.


Die jüngste Vulkanische Eruption auf La Palma hat einen mächtigen Vulkankegel gebildet mit einer Breite von rund 700 m und einer Höhe über Gelände von gut 200 m, was ca. 1.122 m über NHN entspricht. Insgesamt gibt es 6 Ausbruchkrater, der größte hat einen Durchmesser von 172 m. Rund 180 bis 200 Millionen m3 Lava, Pyroklastika und Aschen haben eine Fläche von mehr als 2.000 Hektar - das sind 30 km2 - Land überflutet. Im Atlantik enstand eine neue Landfläche von 47 Hektar.


Das Lavafeld hat eine maximale Breite von 3 km und eine maximale Länge von 6 km sowie Höhen bis zu 50 m. Die mittlere Höhe der Lava beträgt ca. 12 m. Insgesamt wurden 72 km asphaltierte Straßen von der Lava überflossen. Der Gesamtschaden wird auf knapp 1 Milliarde EUR geschätzt. Hier muss allerdings angemerkt werden, dass die Zahlenangaben je nach Berichterstatter voneinander abweichen können.

Aschelandschaften auf La Palma - La Isla Negra (Quelle: La Palma NEWS - lapalma1.net)

Der Verlag Editorial Alpina hat eine aktualisierte Wanderkarte im Maßstab 1:25.000 mit den vom Vulkanausbruch betroffenen Gebieten herausgebracht. Der Verlag spendet für jedes verkaufte Exemplar 1 EUR an die vom Vulkanausbruch geschädigten Bewohner von La Palma. Die Karte kann über die Website www.editorialalpina.com bezogen werden.

Ausschnitt aus der Wanderkarte mit den vom Vulkanausbruch betroffenen Gebieten (Verlag Editorial Alpina)

Die in der 2. Auflage unseres Geologischen Wanderführers La Palma beschriebenen Wanderrouten sind durch die aktuelle Eruption so gut wie nicht beeinträchtigt, jedoch können Zufahrtsstraßen durch die Lavazüge blockiert und Wege für einige Zeit gesperrt sein.

Mögliche und zeitlich begrenzte Einschränkungen der Wanderrouten können auf der Website https://www.senderosdelapalma.es/de/ unter "Strecken" - "Wegesperrungen" erkundet werden.

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