Rainer Olzem - arge-geologie.de

Tubo Volcánico de Todoque

Auf den Kanarischen Inseln gibt es eine Vielzahl vulkanischer Höhlen. Besonders bekannt für ihre unterirdischen Naturbauwerke ist die Insel Lanzarote, hier entstand vor etwa 3.500 Jahren beim Ausbruch des Vulkans Monte de La Corona der imposante Lavatunnel Jameos del Aqua von 7 Kilometer Länge, eine Landschaft aus bizarren Felsenhöhlen und Galerien. Der größte Vulkantunnel auf den Kanaren ist die Cueva del Viento auf Tenerife mit einer Länge von 17 km.

In der Cueva Honda del Bejenado (palmerosenelmundo.com)

Auch auf La Palma gibt es mehr als 100 Vulkanhöhlen, die längste ist die Cueva Honda del Bejenado mit 1.362 m. Die Tubo Volcánico de Todoque ist mit ehemals 560 m, heute schätzungsweise noch etwa 350 m begehbarer Länge, zwar nur die siebt längste, aber die bekannteste und am besten erreichbare Vulkanhöhle auf La Palma. Sie entstand im Lavastrom des Llano del Banco-Spaltenvulkans, der vom 08. bis zum 26. Juli 1949 aktiv war.

Der Eingang zum Vulkantunnel von Todoque liegt im weiträumigen Lavafeld des Llano del Banco-Vulkans innerhalb der großen Straßenkehre der LP-211 zwischen Todoque und San Nicolas.

Bezeichnung

Lokalität

Länge (m)

Cueva Honda del Bejenado o Eduardo

Nordseite Vulkan Bejenado

1.362

Cueva del Perdido

Hochebene von Tazacorte

1.288

Cueva Honda de Miranda o Escuela

Brena Baja

1.006

Sistema Salto Tigalate Cueva A / B

El Salto, Punta de Tigalate

1.100 / 871

Cueva Benisahare

Vulkan Bejenado

584

Cueva de Todoque

Todoque, Las Manchas

560

Cueva Llano de los Canos

Mazo, La Sabina

368

Die 8 längsten Vulkantunnel auf La Palma

Auf der Fläche südlich der Straße befindet sich der Eingang zu einer weiteren Lavahöhle, die hier nicht weiter besprochen werden soll.

Der Eingangsbereich ist auch bei mehrmaligem Besuch des Lavatunnels schwierig zu finden, weil das Lavafeld überall ähnlich aussieht und Orientierungsmarken deshalb schwer festzumachen sind. Der Zugang erschließt sich durch eine große Einsturzmulde in der Lava - im spanischen Jameo genannt - hier ist die obere Lavaröhre des aus mehreren Ebenen bestehenden Tunnels eingebrochen. Jameo bedeutet in der Sprache der Guanchen Hohlraum oder Vertiefung im Erdboden.

Eingangsbereich zum Vulkantunnel
Steiler Abstieg in die Einbruchsmulde

Beim Einstieg in die Mulde ist Vorsicht geboten, denn die etwa 3 - 4 m hohen Wände, an denen man an mehreren Stellen absteigen kann, bestehen aus brüchigem Lavagestein.

Im Inneren des Lavatunnels empfängt den Besucher eine andere Welt. Hohe und weite Hallen wechseln mit schmalen Durchgängen, die nur kriechend bewältigt werden können, ebene Abschnitte wechseln mit steilen Anstiegen.

Dort wo sich keine Öffnung in der Tunneldecke auftut, ist es in der Höhle stockdunkel, eine Dunkelheit, die auch einer einfachen Taschenlampe standhält.

Wo der Boden des Tunnels glatte Flächen bildet, liegt noch ein ebenes Bodenprofil durch Reste der abfließenden Lava vor. Die rauen, kantigen Lavabrocken auf dem Tunnelboden stammen dagegen von eingestürztem Deckengestein.

Auf der Suche nach dem Eingang zum Vulkantunnel in der Pahoehoe-Lava des Llano del Banco-Lavastroms

Die Eigenschaften der Lava

Wie konnte nun solch ein gewaltiges und facettenreiches vulkanisches Bauwerk entstehen? Welche Mechanismen führen zur Bildung eines Lavatunnels? Dazu muss man zunächst die Eigenschaften und das Fließverhalten von Lava kennen.

Frisch geförderte Lava ist ein Fluid mit großer innerer Kohäsion, die dafür verantwortlich ist, dass sich in flachem Gelände Lavaflüsse von großer Dicke und relativ steilen Böschungen ausbilden können. Lava verhält sich anders als Wasser, das dazu tendiert, aufgrund seiner sehr geringen inneren Reibung quasi endlos zu fließen. Lava verhält sich eher wie ein Bingham-Fluid, das erst ab einer Mindestschubspannung, der so genannten Fließgrenze, zu fließen beginnt. Unterhalb davon verhält es sich wie ein elastischer Körper.

Die Viskosität der Lava kann in mehr oder weniger kurzer Zeit variieren, wenn sie sich abkühlt oder ausgast. Die Temperatur nimmt mit der Zeit gewöhnlich ab, gelöste Gase entweichen und in der kühler werdenden Schmelze kristallisieren immer mehr Minerale aus und die Lava wird fest. Daher erhöht sich während der fortschreitenden Bewegung des Lavastroms stetig die Viskosität und das Fließverhalten der Laven nimmt ab bis zum Stillstand.

Raue, zackige Aa- oder Blocklava
Pahoehoe-Lava mit typischer glatter Oberfläche

Die Vulkanologen differenzieren zwei ganz unterschiedliche Arten von Lava: Aa-Lava und Pahoehoe-Lava. Pahoehoe-Laven bilden sich bei höheren Temperaturen von 1.000 – 1.200°C und weisen eine relativ niedrige Viskosität auf.

Die dünnflüssigen und schnellfließenden Pahoehoe-Laven – mit Fließgeschwindigkeiten von etwa 1 m/min, aber auch bis zu 400 m/min - schaffen eine glatte oder gewellte Oberfläche. Der Name Pahoehoe ist ein Freudenschrei im Hawaiianischen, der die gute Begehbarkeit der Lavaoberfläche ausdrückt.

Offener Kanal im oberen Abschnitt des Lavastroms

Obwohl Aa-Lava – wegen ihrer schlackenartigen, gezackten und rissigen Oberfläche auch Brocken- oder Blocklava genannt - die gleiche mineralische Zusammensetzung hat wie Pahoehoe-Lava, sind ihre physikalischen Eigenschaften sehr unterschiedlich. Aa-Lava ist eine zähflüssigere (hochviskose), gasreichere und kühlere Lava (800 – 1.000°C), die sich langsamer, praktisch als zusammenhängender Körper in Schüben hangabwärts bewegt und an der Oberfläche zu rauen, scharfkantigen Brocken erstarrt. Diese fallen an der Front des Stroms herunter und werden vom Lavastrom überwalzt.

Ein Aa-Lavastrom bewegt sich normalerweise nicht so weit von seinem Förderschlot weg wie ein Pahoehoe-Lavastrom, weil durch das offene Porensystem der grobstückigen Lava die Hitze besser an die Außenluft abgegeben wird und die Lava deshalb schneller abkühlt.

Die Hawaiianer nannten diese raue Lava A‘a, was Schmerz ausdrücken soll, weil sie beim Barfußlaufen auf ihrer scharfkantigen Oberfläche nur unter Schmerzen vorankamen.

Hohe Hallen mit mehreren übereinander liegenden Röhren ...

Der Mechanismus zwischen Pahoehoe- und Aa-Lava ist äußerst kompliziert, er beruht auf einem empfindlichen Gleichgewicht, das jederzeit gestört werden kann mit der Folge, dass Pahoehoe-Lava dann als Aa-Lava weiterfließt.

Ein Lavastrom kann in seinem oberen Teil aus Pahoehoe-Lava bestehen, während in seinem unteren Teil aufgrund der zunehmenden Viskosität durch Abkühlung und Ausgasung Aa-Lava dominiert.

Wie entsteht ein Lavatunnel?

Ob in einem Lavastrom ein Tunnel entsteht oder ob die glutflüssige Schmelze bereits in der Nähe der Eruptionsstelle gleich nach dem Ausfließen erstarrt, ist das Ergebnis eines äußerst komplexen Wechselspiels zwischen dem Nachschub an heißer fließfähiger Lava, ihrer Zusammensetzung, ihres Gasgehalts, der Fließgeschwindigkeit des Lavastroms und der Temperaturverteilung in seinem Inneren sowie dem Gefälle des Untergrunds.

Generell kann man zwei unterschiedliche Bildungsmechanismen beobachten:

... wechseln mit flachen Durchgängen

In der Nähe der Eruptionsstelle fließt die Lava zunächst in offenen Kanälen ab, wobei sie durch den Kontakt mit dem Umgebungsgestein an der Unterseite und durch den Kontakt mit der Luft an den Rändern abkühlt und erstarrt. Durch die langsame Abkühlung des Lavastroms an seinen Rändern wird die Lava dort zähflüssiger und es bilden sich Seitenwände, die immer höher wachsen und den Lavafluss schließlich überdachen.

Je größer die Geländeneigung ist, desto leichter bildet sich ein Kanal, der schließlich zu einem Lavatunnel führen kann.

In größerer Entfernung von der Eruptionsstelle kann ein Lavatunnel auch aus der fließenden Schmelze heraus entstehen. Wenn der Lavastrom längere Zeit der Luft ausgesetzt ist, kühlt er von den Seiten und von oben her ab und wird dort zunehmend zähflüssiger. Durch die so immer dicker werdende Ummantelung wird die Lava im Inneren thermisch isoliert und kann ihre Temperatur von mehr als 1.000°C lange halten, so dass sie in der Mitte flüssig bleibt.

Eingeschlossen in der isolierten Röhre, fließt die heiße Lava dem Gefälle nach schneller – bis zu 60 km/h - als das kühlere Mantelmaterial, das außen allmählich immer mehr erkaltet und erstarrt. Die Lava kann so sehr große Distanzen zurücklegen, weil sie über lange Zeit heiß und damit fließfähig bleibt.

Wenn schließlich keine neue Lava mehr nachfließt, leert sich der Innenraum der Röhre und es bleibt ein Hohlraum zurück.

Von der Tunneldecke gefallene Gesteinsbrocken ...
... und eine abzweigende Tunnelröhre
„Strandlinien“ an der Wand und Tropfen an der Decke

Lavatunnel bilden oft ein komplexes Netz von Lavaröhren, die Lava über große Strecken aus dem Förderschlot zur Stromfront transportieren. Dabei können sich die Röhren horizontal und vertikal verzweigen, so dass oft mehrere Röhren übereinander oder nebeneinander verlaufen.

Im Tunnel von Todoque erstrecken sich viele Röhren, teils sichtbar und teils unsichtbar, neben, ober- und unterhalb des Haupttunnels.

Die dicken Rippen oder Rampen beiderseits der Tunnelwände sind Zeugen der unterschiedlichen Pegelstände früherer Lavaströme, die den Tunnel durchflossen haben. Weil hier die randliche Lava durch den Kontakt zu den kühleren Seitenwänden schneller als in der Mitte des Stroms abkühlte und sich verfestigte, blieben diese Rampen stehen, die oft überdimensionalen seitlichen Sitzbänken gleichen.

Rampen an den Tunnelwänden sind ...
... Zeugen früherer Pegelstände der Lava
Die Exkursionsteilnehmer (mit Hund) auf einer Rampe im Vulkantunnel

An den Tunnelwänden bilden sich so genannte Strandlinien, die durch die fließende Lava verursacht werden. Lavafetzen bleiben an der Tunnelwand hängen und dokumentieren mit ihrer horizontalen Anordnung die jeweiligen Pegelstände der Lavaflüsse im Tunnel.

An der Höhlendecke hängen kleine Zapfen, die auf den ersten Blick aussehen wie Stalaktiten. Es sind jedoch Reste der von der Decke herab tropfenden Lava, die letzten Zeugen der großen Hitze. An einigen wenigen Stellen sind auch kleine echte Stalaktiten als kalkige Ausfällungen aus dem das Gestein durchsickernden Wasser zu erkennen.

Hin und wieder wachsen an den Wänden kleine strahlige büschelige Kristalle, wahrscheinlich handelt es sich um Gips (CaSO4 . 2H2O) oder auch Calcit (CaCO3). Es sind sekundäre Bildungen, die aus einsickerndem Niederschlagswasser auskristallisiert sind, das auf seinem Weg durch die Lava die Minerale im Gestein zuvor gelöst hat.

Lavatropfen an der Tunneldecke und ...
... büschelige Kristalle an den Wänden

Dort, wo der Druck der fließenden Lava größer war als die Bruchfestigkeit der Tunneldecke, hat die Lava die Decke durchstoßen, ist flächenhaft ausgeflossen und hat an der Oberfläche einen kleinen Lavasee gebildet. Als der Lavapegel im Tunnelinneren sank, floss der Lavasee, soweit noch fließfähig, wieder zurück und hinterließ eine glatte Schicht aus Pahoehoe-Lava.

Viele der Deckenfenster werden auch erst später durch Verwitterung der überlagernden Gesteine und Einsturz der Tunneldecke entstanden sein.

Steiler Anstieg im hinteren Teil des Tunnels
An der Oberfläche ausgeflossene Lava

Hinweise auf die Ureinwohner

Geht man vom Ausgang des Lavatunnels in Richtung Süden auf die ersten Häuser zu, trifft man auf einen älteren kleinen Vulkantunnel in einem prähistorischen und bereits stark verwitterten Lavazug, der von den Ureinwohnern La Palmas, den Guanchen, wahrscheinlich als Wohnhöhle oder als Wetterschutz genutzt wurde. Die Lava entstammt vermutlich einem Ausbruch des Vulkans Birigoyo.

Von Guanchen genutzter Tunnel in einem prähistorischen Lavazug
Riccardo erklärt einen Unterstand der Guanchen aus unbehauenem Lavagestein
So könnte das Steinhaus ausgesehen haben (Freilichtmuseum Mundo Aborigen auf Gran Canaria) (holidaycheck.de)

Riccardo und Timm haben die Anstregung auf sich genommen und sind tief in die enge Höhle eingestiegen.

Die Mühe hat sich gelohnt, denn sie haben nicht nur Keramikreste der alten spanischen Kolonisten, sondern auch einige Tonscherben gefunden, die höchstwahrscheinlich aus der Guanchenzeit stammen.

Nicht weit vom Eingangsloch des prähistorischen Lavatunnels steht die Ruine eines ehemaligen Bauwerks der Guanchen. Es ist ein Steinhaus, errichtet aus unbehauenen Basaltlavasteinen, vermutlich ein Unterstand oder ein Ziegenstall aus der Zeit vor der spanischen Eroberung der Insel.

Weitere Bilder des Vulkantunnels

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